Im Gespräch

    Friederike Füller, Geschäftsführende Gesellschafterin von PRACHTSTERN, gibt Antworten rund um das Thema Influencer Relations.


    Wie beschreibst du die Tätigkeit eines Influencer und welche Berührungspunkte habt Ihr mit Influencer Relations?

    Ganz knapp heruntergebrochen: Ein Influencer betreibt einen, in der Regel aber mehrere Kanäle zu einem mehr oder weniger bestimmten Themenbereich im (Social) Web, zum Beispiel auf einem Blog, auf YouTube, Instagram, Twitter etc. Dort stellt er – bezahlt oder unbezahlt – unter Umständen auch Produkte oder Dienstleistungen vor. Unser Berührungspunkt zu Influencern als Agentur ist es, für unsere Kunden im ersten Schritt eine Strategie und im Anschluss ein Maßnahmenkonzept zu erarbeiten, um dann konkrete Kooperationen umzusetzen. Das heißt: Wir ermitteln zunächst Ziele, Zielgruppen und Botschaften, stellen einen Budgetplan auf, filtern die richtigen Kooperationspartner unter der Vielzahl der Influencer heraus und entwickeln sinnvolle Maßnahmen und Themenaufhänger (z.T. gemeinsam mit dem Influencer). Wir übernehmen dann, wenn es an die konkrete Kooperation geht, die komplette Kommunikation zwischen Unternehmen und Influencer – von der Ansprache, über die Erstellung eines Kooperationsvertrags bis zur Freigabe eines Posts.


    Zu welcher Produktphase ist es lukrativ mit Influencer zu arbeiten?

    Am sinnvollsten sind Influencer Kooperationen zur Markteinführung eines Produkts, da auch für Influencer – wie für jeden im weitesten Sinne journalistisch Arbeitenden – der „News-Wert“ an erster Stelle steht und somit Produkte kurz vor/bei Markteinführung besonders interessant sind. Aber auch in anderen Produktphasen sind Influencer-Kooperationen sinnvoll – dann mit einem entsprechenden Themenaufhänger (saisonal / aktueller Trend / persönlicher Anlass des Influencers usw.) als glaubhafte und interessante Story.


    Aus welchem Grund lässt sich ein potenzieller Kunde überzeugen?

    Sind eine realistische Zielsetzung und ein dazu passendes Budget festgesetzt worden und sind die richtigen Influencer, Maßnahmen und Themenaufhänger gefunden, können sich Influencer Relations langfristig extrem positiv auf Bekanntheit, Absatz, Image etc. auswirken und auf die Kommunikations- und Marketingstrategie eines Unternehmens bzw. einer Marke einzahlen.

    Welche Eigenschaften/Merkmale sollte ein Influencer vorweisen?

    Auf der Arbeitsebene: Zuverlässigkeit, Qualitätsbewusstsein, klare Kommunikation.

    Darüber hinaus ist es vor allem unsere Aufgabe, den Influencer besonders nach "Marken- bzw. Kampagnenfit" auszuwählen. Das heißt, vor dem Start von Influencer Relations sollte im besten Fall eine Strategie erarbeitet werden mit Zielsetzung, Kommunikationsbotschaften, Budgetplan, Maßnahmenkonzept inkl. Timing etc., zu denen dann passende Influencer ausgewählt werden.

    Lassen sich die Faktoren gewichten oder in einem Ranking einordnen?

    Ein Ranking sehe ich nicht unbedingt, aber für uns spielen Marken- und Themenfit die größte Rolle – noch vor Reichweite. Ein reichweitenstarker (= teurer) aber unglaubwürdiger Post an der Zielgruppe vorbei, ist i.d.R. wenig zielführend.


    Wie lässt sich die Zusammenarbeit in der Praxis koordinieren? Wie kommt Ihr an Kontakte?

    Wir haben uns über die Jahre zahlreiche Influencer-Kontakte in unseren Themengebieten erarbeitet und pflegen diese inkl. Mediakit in einer Datenbank. Neue Influencer lernen wir auf (z.T. eigenen) Events kennen oder sprechen diese via Mail an. Uns erreichen andersherum auch viele Anfragen von Influencern. Gerade die Blogger in unseren Themenbereichen (Garten/DIY/Lifestyle/Food) sind sehr gut miteinander vernetzt, so dass unsere Kunden als Kooperationspartner und wir als Agentur auch untereinander empfohlen werden.


    Anhand welcher Kennzahlen lässt sich der Erfolg einer Kooperation messen?

    Dies lässt sich an der Reichweite und Engagement Rate des Influencers sowie an Kennzahlen des/der Kooperation-Posts ablesen, beispielsweise Aufrufen (YouTube), Views (IG-Story), Likes (IG, FB), Shares und (positiven) Kommentaren. Aber auch „weiche“ Faktoren wie ein qualitativ sehr guter Post des Influencers mit beispielsweise einer ausführlichen, treffenden Beschreibung und/oder kreativen Einsatzmöglichkeiten und/oder einer glaubhaften positiven Bewertung des Produkts/der Dienstleistung und sehr guten (weiter nutzbaren) Fotos etc. sprechen m.E. für eine besonders erfolgreiche Kooperation.


    Welches Fazit würdest du zusammenfassend ziehen?

    Eine strategische Herangehensweise inkl. konkreter Zielsetzung ist das A und O. Es gibt auf allen Seiten (Unternehmen, Influencer, Agenturen) auch „schwarze Schafe“ und vor allem diverse Stolpersteine, aber wenn ein Unternehmen professionell und strategisch – im besten Fall durch Unterstützung einer erfahrenen Agentur – an das Thema herangeht, sind Influencer Relations eine extrem gute Kommunikationsmaßnahme.